Verein


Der Sportverein Ruschwedel e.V. von 1961 betreibt seit seiner Gründung vor nunmehr 50 Jahren lediglich die Sportart Faustball – intensiv und damit erfolgreich. Er gehört mit seinen etwa 150 aktiven und passiven Mitgliedern eher zu den kleinen Sportvereinen im Landkreis Stade. Er hat den Namen des Dorfes, das durch die Gebietsreform 1972 in Harsefeld eingemeindet wurde, zumindest in Faustballkreisen bundesweit bekannt gemacht. Seit 4 Jahren spielt die 1. Herrenmannschaft in der 2. Bundesliga und bietet den Interessierten sowohl in der Halle als auch in der Sommerspielzeit auf dem Feld spannenden und hochklassigen  Faustballsport. Weitere 3 Herrenmannschaften spielen in den unteren Klassen. Schade, dass sich die Damenmannschaft aufgelöst hat.   Erfreuliche Tendenzen zeigt die Jugendarbeit: Nach einem Tiefpunkt vor über zehn Jahren, als der Verein zwangsweise wegen fehlender Jugendarbeit sein 1. Herrenteam aus der Verbandsliga in die Bezirksoberliga zurückstufen musste, die Spieler immer unregelmäßiger zum Training erschienen und auch kein Nachwuchs für den Faustballsport zu gewinnen war, nehmen heute 6 Jugendmannschaften an Punktspielen teil. Ein verjüngter Vorstand  mit Thomas Löhden als Vorsitzender brachte neuen Schwung in den Vorstand.
Mit dem Faustball angefangen hat alles vor 43 Jahren: Auf Einladung des Junglandwirts und Gemeinderatmitglieds Joachim Löhden trafen sich am 24. März 1961 22 Sportbegeisterte in der Gastwirtschaft Heinrich Augustin zur Gründungsversammlung. Man wollte im Sommer Faustball und im Winter Tischtennis und Prellball spielen. Es gehörte schon Mut dazu, damals einen eigenständigen Sportverein zu gründen, obwohl doch in direkter Nachbarschaft der TuS Harsefeld und der TSV Apensen genügend sportliche Angebote vorhielten. Zum Vorstand wurden einstimmig gewählt: 1. Vorsitzender Joachim Löhden, Stellvertreter Wilhelm Tecklenburg, Kassenwart Gerhard Löhden, Schriftführer Erich Kahnert, Jugendleiter und Gerätewart Helmut Augustin. Wichtigste Aufgabe war die Herrichtung eines bespielbaren Platzes. Der „alte Sportplatz“ bei der Dorflinde, seit jeher Allmende und schon in vorigen Jahrhunderten dem Bliedersdorfer Schafhirten als Mittagsstation seiner Herde dienend, wurde mit einer Sandschicht verfüllt. Ärger verursachten Noacks Hühner, der gerne am Rande des Spielfeldes ihre Löcher scharrten,  um ein Sonnenbad zu nehmen.
Das Bild des Dorfes bestimmten die vier landwirtschaftlichen  Großbetriebe Poppe, Löhden, Dammann und Ropers, weitere sieben  mittlere Betriebe und  fünf Nebenerwerbsbetriebe. Täglich brachte Johannes Engelke  75 Milchkannen mit seinem Pferdegespann zur Molkerei nach Apensen. Zu jedem größeren Bauernhof gehörte eine Landarbeiterfamilie. Auffallend für Ruschwedel war der intensive Obstanbau: Zur Maienzeit war das Dorf umgeben von einem Blütenmeer wie im Alten Land. Die Straße zum Bahnhof war begrenzt durch Apfelbäume. In der damaligen Gastwirtschaft Fick fanden die letzten Blütenbälle mit Lifemusik auf der Diele von Peter Hinrichs statt. Im gleichen Gebäude mit dem imposanten Säuleneingang war das Gemischtwarengeschäft mit Postnebenstelle und öffentlichem Fernsprecher. Längst nicht jeder hatte ein Telefon, geschweige denn einen Fernseher. Mehrteilige Krimis, sogenannte Straßenfeger, und Fußballländerspiele wurden gemeinsam im Klubzimmer der Gastwirtschaft verfolgt. Von den knapp 200 Einwohnern besaßen gerade mal 17 einen Pkw. Die Straße „Am Steinbeck“ mit den angrenzenden Sportplätzen, dem Kindergarten, dem  Schwimmbad und der Firma Bredehöft gab es noch nicht. Zur Schule mit den Jahrgängen Klasse 1 bis 4 führte ein unbefestigter Fahrweg mit Schlaglöchern. Lehrer Paul-Hans Leppin unterrichtete seinen letzten Grundschuljahrgang; die Großen fuhren mit der Bahn nach Harsefeld.
Nach dem 2. Weltkrieg wurden im Kreis Stade   ab 1949 Punktspiele durchgeführt. Zur Gründungszeit unseres Vereins schaute man auf zu den Männermannschaften des VfL Stade, TuS Güldenstern Stade und der jungen Mannschaft des MTV Wangersen, die Landesligaerfahrung und Teilnahmen an Deutschen Meisterschaften sammelten. Zwei Jahre nach Gründung der 1. Faustball-Bundesliga 1961  ( Es war die erste Bundesliga im Sport überhaupt! ) gelang es dem VfL Stade mit Peter Sievers – heute noch aktiv!- in die Bundesliga West aufzusteigen. Unser Verein begann natürlich ganz unten, musste sich  in der  Männer-Gauklasse anmelden und wurde mit Joachim Löhden, Adolf Löhden, Johann Ropers, Helmut Erko, Gerhard Löhden und Karl-Heinz Tewes Letzter. Unsere erste Urkunde ist der Beleg:“ Bei den Turnspielreihen 1961 des Turngaues Stade  erreichte der SV Ruschwedel in der Klasse Männer-Gau den 9. Platz – unterzeichnet: Hermann Oehr, Gauturnspielwart. Er und der Bezirksspielwart Klaus Meyn überbrachten die Urkunde persönlich an den 1. Vorsitzenden Joachim Löhden. Und als die beiden Herren aus Stade nach dem Lehrer fragten, wurde ihnen gesagt, dass die Schulstelle wegen der Pensionierung des Lehrers ausgeschrieben sei. „ Das wäre was für meinen Sohn“, soll Faustballvater Meyn geantwortet haben. So kam es dann auch: Am 1. April 1962 trat der Junglehrer Jan Meyn seinen Dienst in der einklassigen Grundschule an und übernahm im Verein die Aufgabe des Jugendwarts.
Am traditionellen Eröffnungsturnier des Turngaues in Stade nahmen 1962 von uns bereits 3 Männer- und 1 Frauenmannschaft teil. Der Name unseres Vereins  wurde im Sportteil des STADER TAGEBLATTES erstmalig erwähnt:“ ...auch einige Neulinge zeichneten sich durch eine erfreuliche Spielstärke aus. Ein besonderes Lob gebührt dem SV Ruschwedel, der allein drei Herrenmannschaften stellte und sich mit seiner 1. Herren bis in das Endspiel durchkämpfte“. Die Knaben – Jugend 14 – sammelten gegen SSV Heinbockel, MTV Ahlerstedt und MTV Hammah erste Erfahrungen, und unsere Mädchen  14 wurden Kreismeister gegen Heinbockel und konnten den Titel sogar  erfolgreich verteidigen. Es ist heute unvorstellbar, dass es damals im Kreis Stade nur 2 (!) Mädchenteams gab. Viel Freizeit und Idealismus musste weiter für die Verbesserung des Sportplatzes aufgebracht werden. So erhielt der Sandplatz, unser heutige Bolzplatz,  eine Ziegelschotterdecke. Übrigens war das Spielen auf Grandplätzen für unsere Spielklasse nichts Außergewöhnliches, im Gegenteil; denn wer hatte schon Turnschuhe mit Stollen?! Das war eigentlich den Fußballern vorbehalten. Trotzdem erhielten wir mit Unterstützung der Gemeinde , des Landkreises und des Sportbundes schon 1963 den ersten Rasenplatz, der einige Jahre später auf die heutige Größe erweitert wurde. So konnten regelmäßig Punktspiele und Pokalturniere, von zahlreichen Zuschauern begleitet,  durchgeführt werden. Als Umkleideraum diente das Klassenzimmer. Und es konnte schon mal vorkommen, dass Auswärtige sich in die Lehrerwohnung verirrten und das private Badezimmer nutzten.

Die Leistungen unserer Männer steigerten sich von Jahr zu Jahr. Bernhard Poppe als Schlagmannn, der sich mehr und mehr vom Fußball zurückzog, um sich ganz dem Faustball zu verschreiben, machte mit seiner Fünf Jagd auf die besten Mannschaften des Bezirks. Die Pokale holte auf Kreisebene vorwiegend die 2. Herren mit Jan Meyn , Joachim Löhden, Klaus Tewes, Adolf Löhden und Kurt Sill, die in 50 Spielen ungeschlagen blieb. Der Durchbruch zur Landesspitze erfolgte 1966: Ruschwedel als Meister der Stader Bezirksklasse wurde in Hameln durch ein 34:25 über TKH II Landesmeister und stieg in die Landesklasse ( 1973 umbenannt in Niedersachsenliga) auf. Mit Gründung der Mittelpunktschulen – auch Dörfergemeinschaftsschulen genannt – entstanden auch neue Turnhallen, so dass die Faustballer ihre Spielreihen auf die sogenannte „Winterrunde“ ausdehnen konnten. Zwar wird in einem Jahresbericht zum Bezirksturntag 1965 kritisiert, dass es nicht sinnvoll sein kann, Kampfspiele in der Halle auszutragen. „Spiele gehören ins Freie, an die frische Luft, damit Herz und Lunge erstarken und gesund bleiben“. Die Ausbreitung des Faustballsports ließ sich jedoch nicht aufhalten. 1969 landete der Turngau Stade den großen Durchbruch. Das STADER TAGEBLATT jubelte: Faustballjugend des Kreises dominierte in Fallingbostel. Landesmeister wurden SV Haddorf mJ 18, SV Ruschwedel mJ 16, MTV Wangersen wJ 16. Doch nicht unsere Männer, die einige Jahre um den Verbleib in der Landesliga bangen mussten, sondern unsere  Jugendlichen mit Eckhard Noack, Hans-Wilhelm und Gerd Wohlers, Joachim Dammann, Waldemar Eckhoff und Dieter Schaerffer sorgten für Aufsehen: Sie erkämpften sich 1971 die Teilnahme an den Deutschen Turnspielmeisterschaften in Schweinfurt – die letzten Meisterschaften des DTB dieser Art mit  Faustball, Korbball, Ringtennis und Schleuderball. Für unseren kleinen Dorfverein ein ganz großes Ereignis! Wir errangen den 3. Platz, ein Jahr später in Hannover den 5. Platz. Die erste Mannschaft konnte nun verjüngt werden. Der Aufstieg in die Regionalliga wurde nur knapp verpasst.

Bis 1975/76 gelang der Aufbau einer neuen männlichen Jugendmannschaft, die bei Meisterschaften und Turnieren fast alles abräumte: Nach dreimaligem Gewinn der Landesmeisterschaft auf dem Feld und in der Halle holte man in Wangen/Allgäu den lang ersehnten ersten DEUTSCHEN MEISTER in der mJ 18 nach Ruschwedel mit Frank Kuwert-Behrenz, Jürgen Löhden, Hans-Dieter Hauschild, Rainer und Walter Damman und Siegfried Müller. Für die Saison 1978 stellten wir eine Mannschaft für die Regionalliga; doch reichten unsere Leistungen für einen längeren Zeitraum nicht aus. Weit mehr Erfolg auf höherer Ebene hatten unsere Frauen 30: Nach jahrelangen guten Platzierungen auf Landesebene gelang 1979 in Köln im Müngersdorfer Stadion der große Coup mit der Erringung der DEUTSCHEN MEISTERSCHAFT. Die erfolgreichen Damen waren Heidrun Tesmer, Annemarie Poppe, Inge Dammeyer, Erika Bredehöft, Anita Gooßen und Erika Meyn. Bis 1980 haben der MTV Wangersen zwölf, der SV Ruschwedel und der TSV Essel  je zwei und der SV Düdenbüttel einen Deutschen Meistertitel  errungen. 1986 gab der SV anlässlich des 25-jährigen Jubiläums  seine  erste Festschrift heraus.

In den folgenden Jahren erlebte der Verein Höhen und Tiefen. Während unsere Frauen 30 beständig weitere Erfolge verbuchen konnten ( – Landesmeister 1984 , 1985, 1986, 1989 und 2. Platz 1990 - ), rutschte unsere erste Herren aus der Niedersachsenliga so Jahr für Jahr weiter ab. Ein Zitat aus dem TAGEBLATT vom 21.1.1991 sagt mehr aus als jeder Kommentar :“ Unrühmlich war beim letzten Spieltag , dass der SV Ruschwedel nicht mehr antrat. Konsequenz: Abstieg in die Bezirksoberliga“. Die Beteiligung am Training wurde immer geringer. Die Männer trafen sich nur noch 14-tägig. Man lief Gefahr, die kostbaren Übungszeiten in der Halle ganz zu verlieren. Schließlich gab es nur noch eine Herren- und  eine Damenmannschaft. Ein Nachwuchs war weit und breit nicht in Sicht und einige Pessimisten sprachen schon von einer Auflösung des Sportvereins. Annemarie Poppe und Hartwig Martens bemühten sich, Jugendliche für Faustball zu gewinnen. Doch blieben anhaltende Erfolge aus.
Nach sieben Jahren ohne Jugendarbeit gelang dem Verein mit Heike Löhden,  Claudia Butschkadoff und der Unterstützung weiterer Spielerfrauen und Eltern Ende der 90er der Neuanfang. Mit fünf Mannschaften nahm man an den Punktspielen teil. Erste Titel auf Bezirksebene bei der weiblichen Jugend blieben nicht aus. Auch fanden jetzt einige Jungen Spaß am Spiel und stellten eine Mannschaft mJ 8. Für unsere 1. Herren bedeutete die Teilnahme der Jugendmannschaften an Punktspielen die Voraussetzung, in höheren Klassen spielen zu dürfen. Und sie sahen diese Möglichkeit und nutzten die Chance: Ruschwedel überraschte 1998 die Konkurrenz in der Verbandsliga , wie das TAGEBLATT meldete. Die Truppe mit Dirk Ropers als Mannschaftsführer, Siegfried Müller und Thomas Löhden im Angriff und in der Abwehr Achim Poppe und die Dammann-Zwillinge landeten Erfolg an Erfolg. So las man jetzt in der Zeitung: „Ruschwedel in Fahrt – Aufsteiger im Aufwind – Klare Sache für Ruschwedel – Ruschwedel räumt auf“! Und am 20. Februar 2000 war es endlich soweit: Nach harter Arbeit schmetterten sich in Leichlingen Dirk Ropers & Co in die 2. Bundesliga. Einige dieser Spieler waren bereits vor zwanzig Jahren Vizelandesmeister bei den Schülern mJ 14 gewesen. Zum Vereinsjubiläum nach fast vierzig Jahren Vorstandsarbeit gab Jan Meyn seinen Posten als 1. Vorsitzender an Thomas Löhden ab, der den Verein auch als Aktiver mit neuem Schwung versah. Auch die traditionelle Sportwoche erhielt durch neue lustige Disziplinen eine Auffrischung. Kaum jemand hatte erwartet, dass der Erfolg im Aufbau der neuen Jugendabteilung der Art anhalten würde, so dass mit Stolz vermeldet werden kann, dass unser SV wieder da ist. Ganz zu schweigen von dem tollen nicht für möglich gehaltenen Höhenflug der 1. Herren, die mit Lars Steffen und dem Allroundspieler Benjamin Schelski  zum Saisonende 2003/04 einen ganz hervorragenden dritten Platz in der 2. Bundesliga belegen konnten.

gez.: Jan Meyn, Ehrenvorsitzender